Ich freue mich schon auf die nächste Generation der Assistenzsysteme. Dabei stehen derzeit vor allem folgende Themen im Fokus:
- V2X-Kommunikation (Vehicle-to-Everything). Autos tauschen dabei direkt Daten mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur aus.
- Assistent zur Verhinderung der Dooring - Unfälle
- Assistent gegen Pedalverwechslung
- Fahrerüberwachung bezüglich Drogenmissbrauch
- Aktive Erfassung des Strassenzustandes und der Umgebung und entsprechende Warnungen
Und selbstverständlich arbeitet man auch daran, dass die heutigen Assistenzsysteme besser und zuverlässiger werden.
das ist gefährlich nahe an dem, was man als "bedingungslose Technikgläubigkeit" bezeichnet. Auch die Annahme, wenn nur lang genug daran gearbeitet würde, würde es (annähernd) perfekt sein, fällt darunter - denn die Realität in der Wirtschaft und auf der Strasse sieht komplett anders aus. Auch die Ansicht, diese Assis dürften nicht abschaltbar sein (obwohl es da gewaltige Unterschiede gibt), riecht mehr nach ideologischem Diktat als durchdachter Vernunft.
Die Anhänger dieser Fraktion "vergessen" immer gern, dass Assistenzsysteme nicht perfekt sein
können, weil die Fahrtumstände grundsätzlich nicht programmiert, sondern relativ chaotisch, oft ähnlich, aber jedesmal neu sind. Der Strassenverkehr ist eher eine Art Dschungel und keine industrielle Funktionseinheit in einer gleichmässigen, kontrollierten Umgebung, bei der alle Bedingungen und Parameter unter Kontrolle wären. Betreutes Fahren mag manchen komfortabler erscheinen und ein gewisses
gefühltes (!) Sicherheitsplus bedeuten, aber es ist leider eine Illusion. Letztlich ersetzt man - für viel Geld - einen Risiko-Nachteil durch einen anderen.
Ein weiterer, gern unterschlagener (oder nicht bewusster) Punkt ist, dass man grundsätzlich jedes Assistenzsystem
selbst zu überwachen hat und auch
vollumfänglich dafür
verantwortlich und
haftbar ist. Auch so Kleinigkeiten wie Licht- und Wischautomatik. Das steht auch genau so in den AGB von jedem Hersteller und auch gesetztlich genau so verankert - die Einschränkung ist definitiv juristisch legitim. Kein Hersteller und keine Versicherung dieser Welt wird für Schäden zahlen, die sie als für "wäre vermeidbar gewesen" einstuft, hätte sich der Kunde den Konditionen entsprechend verhalten. Die potentielle Ausrede, der Fahrzeugassistent hätte Mist gebaut und deswegen gab es den Unfall (man hätte also keine eigene Schuld und müsse auch nicht dafür bezahlen), zieht juristisch nicht im geringsten, denn letztlich muss man erst mal beweisen, dass man nicht seine Aufsichtspflicht vernachlässigt hat, was praktisch jedesmal äusserst nahe liegt. Das muss jedem bewusst sein, der diese Dinger einsetzt und wahre Wunder von ihnen erwartet. Vielleicht AGB doch mal lesen?
Diese Kontrolle, sofern sie verantwortungsvoll
dauerhaft während der gesamten Zeit der Benutzung der Assistenzfunktionen ausgeübt wird, ist psychisch deutlich anstrengender als wenn man gleich selbst fährt. Selbst wenn man es anfangs richtig macht, lässt nach einiger Zeit die erforderliche Aufmerksamkeit schnell nach und weicht einem komfortalben Wohlfühlmodus, der Ablenkungen mit anderen Dingen (Smartphone, Internet, Hörspiele, Telefonieren) fördert. Stell dir vor, du hättest einen Beifahrer, der dir jederzeit ins Lenkrad greifen, bremsen oder beschleunigen kann. Dieser Beifahrer ist sehr schnell, aber kognitiv äusserst begrenzt und schnell überfordert, und er kann für absolut gar nichts verantwortlich gemacht werden. Denn genau den hast du.
Im Fahrzeug kann es nur einen Lenker und Verantwortlichen geben, und der muss jederzeit die
volle Kontrolle haben und ausüben können. Bequemes, betreutes und gleichzeitig sicheres (halb- oder vollautonom) Fahren ist vor allem anderen ein Irrtum, der aus überzogenen Erwartungshaltungen resultiert, die ihre Basis in der Science-Fiction-Unterhaltungsbranche haben. Auch ideologische Inhalte können ursächlich beteiligt sein, ebenso wie Allmachtsphantasien.
Der Punkt ist, dass der Spass (und der Sicherheitsgewinn) dort aufhört, wo das Fahrzeug selbst aktiv in das Fahrgeschehen eingreift, und zusätzlich durch zahlreiche Signale für unnötige Ablenkung sorgt. Das unterscheidet vernünftige Fahrzeug-Assistenz (passive Assistenz, ABS, ESP, Gurt, Rückfahrkamera etc) von Zusätzen, die eher geschäftstüchtig (mit Versprechen, die in der (echten) Realität gar nicht gehalten werden können) sowie "gut gemeint" (aber wenig bis gar nicht durchdachter Aktionismus) ideologisch- politisch eingepeitscht werden.
Bei mir ist übrigens lediglich der Notbremsassistent aktiviert, der Rest konsequent abgeschaltet. Ich hab die Assis alle ausführlich getestet, und allein der NBA hat bisher keine blöden Aktionen produziert. Macht er das auch nur einmal, ist auch der aus.