Ein Vergleich mit dem Flugverkehr hinkt wohl doch etwas, da es dort eine ganz andere Telemetrie gibt. Und trotz der Sicherheitssysteme im Flugbetrieb gibt es neben den Piloten auch noch eine Flugaufsicht.
Der Luftraum ist mit der anspruchsvollen Topografie und dem dynamischen Verkehrsgeschehen aller Verkehrsteilnehmer am Boden wohl wirklich nicht vergleichbar.
Unter den Luftraumnutzern findet aber eine sehr vergleichbare Diskussion statt wie hier gerade im Forum. Denn es gibt ein Konzept für den Luftraum der Zukunft, nennt sich U-Space. Dafür wird gerade das Regelwerk geschrieben ... bzw. auf europäischer Ebene ist es bereits in Kraft und im Bundesverkehrsministerium arbeitet man gerade an der Überführung in nationales Recht, soll bis Ende des Jahres erlassen sein.
Dabei geht es um die Integration derer, die automatisiert fliegen (z.B. Drohnen, die von einem Leitstand aus ihren Flugauftrag erhalten und dann ohne weiteres menschliches Zutun ihren Flug ausführen), in den Luftraum derer, die ohne die Unterstützung einer Flugsicherung fliegen (die Sichtflieger im sogenannten unkontrollierten Luftraum). Eine hochspannende Geschichte und eine Diskussion, die genau so emotional geführt wird. Denn fortan müssen sich diejenigen, die bisher im wahrsten Sinne des Wortes vogelfrei waren, in ein ihnen bisher ungewohntes System einpassen. Sie schauen nicht mehr in erster Linie aus dem Fenster, wo die anderen sind, sondern auf ein Display, welches ihnen eine elektronische Luftlage präsentiert.
Leider in englischer Sprache, aber wer sich dafür interessiert:
Die "i-conspicuity" (= elektronische Sichtbarkeit) ist nicht U-Space, sondern eine Voraussetzung für U-Space. Wenn alle Luftraumteilnehmer elektronisch sichtbar sind, können die automatisiert fliegenden auch automatisiert ausweichen. Man bekommt viel mehr Nutzer untergebracht, ohne dass es zu Kollisionen führt.
Übertragen auf den Straßenverkehr: man kann viel mehr Verkehr sich flüssig bewegen lassen, wenn Geschwindigkeiten und Ausweichmanöver unter den Teilnehmern automatisiert ausgehandelt werden. Dafür benötigt man die Assistenzsysteme. Menschen können die 360°-Umsicht nicht leisten und nicht gleichzeitig den Verkehr vor einem, hinter einem und aus den Seitenstraßen links und rechts in der eigenen Verkehrsführung berücksichtigen.
Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben: im chinesischen Berufsverkehr morgens und nachmittags ist es schon allgemein üblich, die Steuerung komplett dem Auto zu überlassen. Das wuselt sich ohne einen einzigen Input durch den menschlichen Fahrer durch das Chaos, und der menschliche Fahrer kommt völlig entspannt an seinem Ziel an.
Und was den Luftraum betrifft: dieses Jahr und nächstes Jahr werden in Europa 2,8 Mio. Drohnen für den Krieg gebaut. Danach stehen die Produktionskapazitäten für zivil genutzte Drohnen zur Verfügung. Es wird also voll werden im Luftraum.
Und was den Straßenraum betrifft: die Automobilhersteller suchen nach neuen Produkten, die sie anstatt Verbrenner herstellen können, um ihre immer weniger genutzten Produktionskapazitäten auszulasten. Dazu gehören alle möglichen Varianten von laufenden und rollenden Robotern. Es wird also voll werden im Straßenraum. Und vieles davon wird kleiner als Kleinwagen sein. So ein Roboter mit Rollen unter den Füßen bringt es auf 50 km/h im Straßenverkehr, kann also locker "mitschwimmen" und anschließend in die vierte Etage die Treppen hochsteigen, um seine Pizza an der Wohnungstür abzuliefern.