Assistenzsysteme sinvoll, oder tödlich ?

Kein Mensch würde es akzeptieren, wenn ein Anlasser (und ich bin froh, dass wir nicht mehr Kurbeln müssen) nur in 70 Prozent der Fälle arbeitet und im Rest den Dienst quittiert. Aber bei der Verkehrszeichenerkennung oder dem Spurhalte-Assistent finden wir's normal...
Beim einen handelt es sich um eine Grundfunktion, beim andern nur um einen Assistenten. Hinzu kommt, dass es sich beim Anlasser um einen simplen reproduzierbaren elektromechanischen Prozess handelt, während die Situation für einen Assi hochkomplex und nie 2x identisch ist. Dementsprechend liegt es in der Natur der Sache, dass Assis immer fehlerbehaftet sein werden.
 
Ein Vergleich mit dem Flugverkehr hinkt wohl doch etwas, da es dort eine ganz andere Telemetrie gibt. Und trotz der Sicherheitssysteme im Flugbetrieb gibt es neben den Piloten auch noch eine Flugaufsicht.
Der Luftraum ist mit der anspruchsvollen Topografie und dem dynamischen Verkehrsgeschehen aller Verkehrsteilnehmer am Boden wohl wirklich nicht vergleichbar.
Unter den Luftraumnutzern findet aber eine sehr vergleichbare Diskussion statt wie hier gerade im Forum. Denn es gibt ein Konzept für den Luftraum der Zukunft, nennt sich U-Space. Dafür wird gerade das Regelwerk geschrieben ... bzw. auf europäischer Ebene ist es bereits in Kraft und im Bundesverkehrsministerium arbeitet man gerade an der Überführung in nationales Recht, soll bis Ende des Jahres erlassen sein.

Dabei geht es um die Integration derer, die automatisiert fliegen (z.B. Drohnen, die von einem Leitstand aus ihren Flugauftrag erhalten und dann ohne weiteres menschliches Zutun ihren Flug ausführen), in den Luftraum derer, die ohne die Unterstützung einer Flugsicherung fliegen (die Sichtflieger im sogenannten unkontrollierten Luftraum). Eine hochspannende Geschichte und eine Diskussion, die genau so emotional geführt wird. Denn fortan müssen sich diejenigen, die bisher im wahrsten Sinne des Wortes vogelfrei waren, in ein ihnen bisher ungewohntes System einpassen. Sie schauen nicht mehr in erster Linie aus dem Fenster, wo die anderen sind, sondern auf ein Display, welches ihnen eine elektronische Luftlage präsentiert.

Leider in englischer Sprache, aber wer sich dafür interessiert:

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Die "i-conspicuity" (= elektronische Sichtbarkeit) ist nicht U-Space, sondern eine Voraussetzung für U-Space. Wenn alle Luftraumteilnehmer elektronisch sichtbar sind, können die automatisiert fliegenden auch automatisiert ausweichen. Man bekommt viel mehr Nutzer untergebracht, ohne dass es zu Kollisionen führt.

Übertragen auf den Straßenverkehr: man kann viel mehr Verkehr sich flüssig bewegen lassen, wenn Geschwindigkeiten und Ausweichmanöver unter den Teilnehmern automatisiert ausgehandelt werden. Dafür benötigt man die Assistenzsysteme. Menschen können die 360°-Umsicht nicht leisten und nicht gleichzeitig den Verkehr vor einem, hinter einem und aus den Seitenstraßen links und rechts in der eigenen Verkehrsführung berücksichtigen.

Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben: im chinesischen Berufsverkehr morgens und nachmittags ist es schon allgemein üblich, die Steuerung komplett dem Auto zu überlassen. Das wuselt sich ohne einen einzigen Input durch den menschlichen Fahrer durch das Chaos, und der menschliche Fahrer kommt völlig entspannt an seinem Ziel an.

Und was den Luftraum betrifft: dieses Jahr und nächstes Jahr werden in Europa 2,8 Mio. Drohnen für den Krieg gebaut. Danach stehen die Produktionskapazitäten für zivil genutzte Drohnen zur Verfügung. Es wird also voll werden im Luftraum.

Und was den Straßenraum betrifft: die Automobilhersteller suchen nach neuen Produkten, die sie anstatt Verbrenner herstellen können, um ihre immer weniger genutzten Produktionskapazitäten auszulasten. Dazu gehören alle möglichen Varianten von laufenden und rollenden Robotern. Es wird also voll werden im Straßenraum. Und vieles davon wird kleiner als Kleinwagen sein. So ein Roboter mit Rollen unter den Füßen bringt es auf 50 km/h im Straßenverkehr, kann also locker "mitschwimmen" und anschließend in die vierte Etage die Treppen hochsteigen, um seine Pizza an der Wohnungstür abzuliefern.
 
Um Himmels Willen, bloß nicht! Das Ganze dann gepaart mit der Super-Zuverlässigkeit der Assistenten wird's bestimmt richten... Entlastet im Zweifel die Rentenkasse, wenn man schneller unterm LKW ist.

Nee, nee der Abstand beim Abstandstempomat ist oft einstellbar. Fragt sich nur, in welchen Untermenüs der Programmierer das im jeweiligen Modell versteckt hat. Gerade bei Mietautos kann die Bedienung echt nerven.

Ich bleibe dabei: unausgereifter Schnulli gehört nicht in ein Auto. Kein Mensch würde es akzeptieren, wenn ein Anlasser (und ich bin froh, dass wir nicht mehr Kurbeln müssen) nur in 70 Prozent der Fälle arbeitet und im Rest den Dienst quittiert. Aber bei der Verkehrszeichenerkennung oder dem Spurhalte-Assistent finden wir's normal...

Natürlich ist mir klar, dass elektronische Verkehrszeichenerkennung hoch-komplex ist und der Anlasser oder von mir aus das ABS recht simpel. Aber wisst ihr was: Ist mir als Verbraucher aber vollkommen Banane. Entwickelt den Kram halt so, dass er funktioniert, bevor es sich in meinem Auto findet.
Entscheidend ist der Mensch nicht die Systeme, gefährliche Meinung mit dem Abstand,das kann ganz schnell in die Hose gehen.Die Asyss sind nur Hilfsmittel.Die Fahrschule hat da bestimmt auch eine andere Meinung
 
Klar, so lange man die Systeme abschalten kann ist ja auch alles gut.
Aber wenn der Mensch keinen Einfluß auf die Systeme mehr hat und die Assis eingreifen und einen Unfall machen, was ist dann ?
Dann muss man das ins Verhältnis setzen, wie oft man des Menschen emotionale Laune nicht abschalten konnte und es dadurch zu einem Unfall gekommen ist. Und dann kann man sich für die weniger unfallträchtige Variante entscheiden. So funktionieren Risikobewertungen.
 
und die Assis eingreifen und einen Unfall machen, was ist dann ?
Dann wird das medial ausgeschlachtet, aber wenn Menschen einen Unfall verursachen, dann wird das als völlig normal betrachtet und toleriert, weil ein Mensch Fehler machen darf.
 
Das Hauptproblem ist in meinen Augen, baut der Notbremsassistent einen Unfall haftet der Fahrer!
In den sogenannten Bauart-Vorschriften wird die Haftungsfrage aufgeteilt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die deutschen Hersteller hier mit ihrem Lobby-Einfluss selber ein Bein gestellt haben und zu wenig dem Hersteller oder Betreiber zugeordnet wurde. In anderen Ländern haben die Hersteller von sich aus gleich mehr Verantwortung übernommen - wohlwissend, dass sie nur so der neuen Technik auf dem so wichtigen jeweiligen Heimatmarkt zum Durchbruch verhelfen.

Unser spezielles Problem, nicht nur im Straßenverkehr: wir schützen das Bestehende und bremsen die Zukunft. Und selbst, wenn die Politik - die in Legislaturperioden denkt - sich schon fortschrittlich organisiert, bleibt immer noch die Verwaltung, die in Generationszeiträumen denkt und deren Mitarbeiter in großer Mehrzahl mit aller Gewalt den Status Quo bis zur eigenen Pensionierung retten wollen. Das kostet uns wertvolle Jahre und unsere Automobilindustrie wurde auf diese Art und Weise sehenden Auges hingerichtet.

Am schwerfälligsten ist die Verwaltung. Etwas schneller ist die Politik. Aber die Wirtschaft, die hat es endlich verstanden und verlegt zusehends Forschung, Entwicklung und Produktion ins Ausland ... bis wir uns hier gezwungener Maßen besinnen und an der Transformation teilhaben wollen.
 
So ein Quatsch!!!
Verantwortungsvolle Autofahrer haben vor Einführung des ABS die Stotterbremsung geübt und angewendet.
Beim Anwenden dieser Bremstechnik blieb das Auto auch ohne Elektronik lenkbar.
In einer echten Gefahrensituationen stottert auch bei dir gar nix mehr.
Mit dem Golf 2 könnte ich das noch testen wenn seeehr viel Platz vorhanden war.
Das ABS war und ist eine der besten Erfindungen.
 
Anderswo redet man nicht mehr über Assistenzsystem. Es ist vorbei mit der Assistenz, die Systeme unterstützen nicht mehr, sie übernehmen komplett die Kontrolle:
Der chinesische Elektroautohersteller Xpeng folgt beim autonomen Fahren dem Kurs von Tesla und setzt nur auf Kameras. Zum Start der Serienproduktion seines ersten Robotaxis schrieb das Unternehmen: "Im Gegensatz zu vielen bestehenden Robotaxi-Lösungen verzichtet Xpeng vollständig auf Lidar-Sensoren und hochauflösende Karten." Auf Anfrage von Golem teilte der Hersteller mit, dass es derzeit keine Pläne gebe, die Fahrzeuge auf den deutschen Markt zu bringen.
Quelle: golem.de

Bei der Gelegenheit erinnere ich gerne an das Phänomen der exponentiellen Entwicklung. 2023 waren es 1.000 Level-4-Autos, 2025 schon 10.000 und 2027 werden es 100.000 sein.

Nur Deutschland nimmt an der Entwicklung nicht teil, wir haben uns von der Zukunftstechnik abgewandt.
 
Deutschland nimmt an der Entwicklung nicht teil,
Man sollte dabei auch mal den Unterschied zwischen historisch entstandenen Städten und Ortschaften zu denen welche auf dem Reißbrett geplant und auch so gebaut wurden sehen. In NY ist autonomes fahren kein Problem. Der Ort in dem ich wohne wurde zu Martin Luthers Zeit gegründet. Die daneben liegende Stadt noch früher, die gehörte, obwohl an der ostfranzösischen Grenze, zu Bayern. Die Straßenverläufe sind da nun mal anders als bei Reißbrettstädten.
 
Anderswo redet man nicht mehr über Assistenzsystem. Es ist vorbei mit der Assistenz, die Systeme unterstützen nicht mehr, sie übernehmen komplett die Kontrolle:

Quelle: golem.de

Bei der Gelegenheit erinnere ich gerne an das Phänomen der exponentiellen Entwicklung. 2023 waren es 1.000 Level-4-Autos, 2025 schon 10.000 und 2027 werden es 100.000 sein.

Nur Deutschland nimmt an der Entwicklung nicht teil, wir haben uns von der Zukunftstechnik abgewandt.
Ja mag sein und jetzt? Glaubst du, dass hochrangige Entscheidungsträger aus Politik und Konzerneigentümer deine Beiträge lesen oder an wen soll sich dein Kommentar hier wenden?
Hätte ich mir vor zehn Jahren ein stink teures, in Deutschland hergestelltes Elektroauto kaufen müssen, um als Tester und Datensammler zu fungieren. Ist wirklich eine ernstgemeinte Frage, weil ich dein Punkt nicht verstehe.
 
Nur Deutschland nimmt an der Entwicklung nicht teil, wir haben uns von der Zukunftstechnik abgewandt.
Deutschland kann in Zukunft immer noch zum grösstes Freilichtmuseum der Welt werden und Eintritt für die Asiatischen Touristen verlangen.
:)
 
Ja mag sein und jetzt? Glaubst du, dass hochrangige Entscheidungsträger aus Politik und Konzerneigentümer deine Beiträge lesen oder an wen soll sich dein Kommentar hier wenden?
mit der Argumentation kann man aber auch dich fragen, an wen sich das wenden soll? Das ist eine Foren-Diskussion, und auch im Mikrokosmos kann man eventuell andere von der eigenen Idee uberzeugen. Das Linnemann, Söder und Reiche hier nicht lesen ist klar. Aber mit so einem Ansatz können wir alle Threads löschen.
 
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