Assistenzsysteme sinvoll, oder tödlich ?

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sorry, aber mit solchen Schlussfolgerungen bestätigst du lediglich eine nicht geringe Technik- und auch Obrigkeitsgläubigkeit.
Sagen wir es mal so, als ICT-Spezi bin ich technikaffin und ja, mein Vertrauen in die Politik, Normengremien sowie in Prüf-, Zertifizierungs- und Zulassungsstellen ist durchaus intakt.
 
Die Gesetze kann man ändern. BYD ist z.B. zumindest in China daran, die Haftung für Mängel an den Assis zu übernehmen. Wenn der Gesetzgeber mitmacht, könnte das auch bei uns in wenigen Jahren möglich werden.
China ist aber auch eine Diktatur, da ist das ohne weiteres möglich. Du möchtest also in diese Richtung? Ein Sicherheits-Diktat?

Die Leute quasi gewaltsam "zu ihrem Glück" zwingen, und das lediglich auf Basis von ideologisch-spekulativen Prognosen? Dann viel Spass bei dem Versuch in einer Demokratie.

Was denkst du eigentlich, warum der übertriebene Assi-Überhang überhaupt noch abschaltbar ist? Was wäre wohl aus dem Vorhaben geworden, wenn diese Hardliner nicht wenigstens da nachgegeben hätten? Die Verordnungen sind ja auch so noch mehr als ausreichend penetrant ausgefallen. Schon allein, dass jedesmal bei Fahrtantritt standardmässig alle Assis aktiviert sein müssen und man jedesmal erneut deaktivieren muss, ist eine geplante Zumutung, die dazu führen soll, dass man irgendwann entnervt nachgibt. Oder dass der Geschwindigkeits-Assi sich bereits ab 1km/h zuviel akustisch wichtig macht, auch das ist eine durchaus geplante Penetranz, mit der man "das blöde Volk erziehen" will, was aber natürlich eher zu Emotionen und Widerstand führt.

Die Hersteller haben das Problem durchaus erkannt und diese übertriebene politisch-ideologisch motivierte Zwangsassistenz bei den meisten Modellen dezenter implementiert, so dass sie weniger störend wirkt und auch einigermassen gut abschaltbar ist.

Richtig, aber in vollautonomen Fahrzeugen wo es keinen menschlichen Fahrer im ursprünglichen Sinn gibt, entfällt diese Kontrollpflicht durch die Passagiere.
du gehst von der Prognose aus, dass es jemals autonome Fahrzeuge für den Privatgebrauch geben wird. Auch hier wieder: Technikgläubigkeit. Die Wahrscheinlichkeit ist aus mehreren Gründen eher gering: erstens wird mE die Perfektionierung nicht so weit gelingen, sofern es noch Mischverkehr gibt und keinen genau definierten Normverkehr mit vollmaschineller Ausstattung aller Verkehrsteilnehmer. Zweitens wird kaum ein Hersteller oder eine Versicherung sich die volle Verantwortung aufdrücken lassen.

Du darfst anderer Meinung sein, aber es wird halt über "andere Meinung" nicht weit hinausgehen. Prognosen und ideologische Wunschvorstellungen sind leider keine Fakten.

Klar doch, die Technik im Rest der Welt bleibt stehen und nimmt Rücksicht auf die technikfeindlichen Befindlichkeiten der Deutschen. Aber egal, Deutschland kann sich dann immer noch als grösstes Freiluftmuseum der Welt profilieren, wo man noch Menschen besichtigen kann, die ein Fahrzeug lenken.
ah, da sind wir schon beim Klassiker: Ablehnung aufgrund von durchaus plausiblen Sicherheitsbedenken werden als "technikfeindlich-rückständig, typisch Deutsche" verkauft. Das ist sehr gelungen, gleich die Bewohner eines ganzen Landes pauschal zu beleidigen. Du hast Glück, dass die Forenverantwortlichen auf "Daumen runter" verzichtet haben.

Uns allen ist weder mit der grundsätzlichen Verweigerung von neuen Techniken noch mit dem bedingungslosen Glauben ohne gründliche Hinterfragung an jede neue Technik (oder Spielerei) gedient. Wozu so extrem? Lass doch jedem seine eigenen Wahl, ob er die Assis einschalten will oder nicht. Reicht doch, wenn sie onboard sind bzw sein müssen.

Und komm nicht gleich wieder mit "aber die anderen sind ja davon auch betroffen" (also hätten sie auch ein Mitspracherecht). Betroffen sind oder wären sie aber auch im Falle von Assi-Fehlern. Und der Beweis, dass diese neuen Pflicht-Assistenten tatsächlich in nennenswertem Umfang Unfälle vermeiden können, steht bis auf weiteres ja noch aus.
Für mich hätte der Spass spätestens dort aufgehört, wenn der NBA nicht eingegriffen hätte. Und hätte ich schon eine einen Assi, der die Schilder erkennen und mich bei Übertretung warnen könnte, dann hätte ich in den letzten 2 Jahren 2 Bussen weniger und CHF 160 mehr in der Tasche.
NBA ist bei mir auch aktiviert - jedenfalls, solange er keine Probleme macht. Mit dem Rest kann sich herumschlagen, wer will, ich wills ja keinem verbieten (könnte ich auch gar nicht) - man sollte nur die Wahl haben dürfen. Meinen Duster ('25) habe ich nur unter der Voraussetzung gekauft, dass man explizit einstellen kann, welche Assis man haben will und welche nicht, und das auf einfachen Knopfdruck bei Fahrtantritt. Ansonsten hätten sie ihn behalten können. Bei anderen Herstellern ist es ähnlich.

Die Qualität und der tatsächliche Nutzen der Schilderkennung wird (je nach System) zT stark überschätzt, da gibts so viele Fails, dass man da auch nur bedingt darauf gehen kann, und zur tatsächlichen vollautonomen Steuerung sind sie viel zu unzuverlässig. Wenigstens piept meiner nicht mehr nervig rum - das rein visuelle Signal erachte ich als völlig ausreichend, ich nehme das durchaus wahr. Alles andere halte ich für übertrieben, sehr nahe an der absichtlichen Gängelung. Vorsätzlich entmündigender Ideologie-Kram.

Die Schweiz ist besonders streng, was Verkehrsverstösse bzw deren Ahndung angeht, das ist bekannt. Aber die Konzentration auf die Verkehrsumgebung wird dir auch ein Assi nicht völlig abnehmen können. In keinem Land der Welt.
 
Sagen wir es mal so, als ICT-Spezi bin ich technikaffin und ja, mein Vertrauen in die Politik, Normengremien sowie in Prüf-, Zertifizierungs- und Zulassungsstellen ist durchaus intakt.
es ist nicht intakt, sondern in dieser kaum hinterfragenden Form nahe an fahrlässig bis gemeingefährlich.

Ich kann verstehen, dass man als Mensch bestimmte Orientierungsgerüste für sein mentales Wohlbefinden benötigt, das geht wohl jedem so - dem einen mehr, dem anderen weniger, auch je nach Thema.

Was ich weniger nachvollziehen kann, ist nahezu bedingungloser Glaube an linearen Fortschritt sowie Obrigkeiten und deren Entscheidungen, die ständig viel weitreichenderen Einflüssen unterworfen sind, die zT weit von wissenschaftlicher Logik und Vernunft ihre Ursachen haben, zB (Welt)Wirtschaft, die derzeitige politsche Landschaft und auch der Druck von ideologischen Gruppen mit praktisch nicht einhaltbaren (und damit kaum durchdachten) Heilsversprechen.

Technikaffin bin ich auch, ich bin schon ein paar Jahrzehnte ua in Elektronik und IT zuhause. Gerade deswegen, weil ich die Techniken kenne und somit auch deren Grenzen, erhalte ich mir eine gesunde Skepsis. Ab einem gewissen Alter hat man schon etliche "zukunftssicheren Innovationen" kommen und gehen sehen, meist mit sehr leisem und unauffälligen Abgang. Und bei diesem gross angelegten Algorithmen-Experiment sollte man keinesfalls zuviel erwarten. Schon der immer höhere Grad an Komplexität der Software, die von (fehlerhaften und begrenzten) Menschen geschrieben und sehr "geschäftstüchtig" (und möglichst schnell, die Konkurrenz ..., schieben wir halt Updates ohne Ende nach) auf die Konsumenten losgelassen wird, gibt durchaus mindestens Anlass zur vorsichtigen Zurückhaltung.

Auch wenn sich die Leute inzwischen daran gewöhnt haben, als zahlende Betatester für zum Teil sehr teure Produkte herzuhalten, ist das kein Grund, dieses Vorgehen noch weiter auszubauen, indem man blind jedem technischen Trend bedenkenlos hinterherhechelt, der grossartige Versprechen macht, die er womöglich in keiner Weise halten kann. Siehe auch das Thema "KI". Das sprengt jetzt allerdings wirklich den Topic.
 
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Die Leute quasi gewaltsam "zu ihrem Glück" zwingen, und das lediglich auf Basis von ideologisch-spekulativen Prognosen? Dann viel Spass bei dem Versuch in einer Demokratie.
Das hat man auch beim Kat, Sicherheitsgurten, ABS, AirBag, Helmpflicht, uvm. erfolgreich gemacht, ohne dass es der Demokratie geschadet hat.

du gehst von der Prognose aus, dass es jemals autonome Fahrzeuge für den Privatgebrauch geben wird. Auch hier wieder: Technikgläubigkeit. Die Wahrscheinlichkeit ist aus mehreren Gründen eher gering: erstens wird mE die Perfektionierung nicht so weit gelingen, sofern es noch Mischverkehr gibt und keinen genau definierten Normverkehr mit vollmaschineller Ausstattung aller Verkehrsteilnehmer. Zweitens wird kaum ein Hersteller oder eine Versicherung sich die volle Verantwortung aufdrücken lassen.
Möglicherweise wird der Weg auch ganz vom eigene privaten Fahrzeug hin zum "privaten" öV gehen, wir werden sehen.

Du darfst anderer Meinung sein, aber es wird halt über "andere Meinung" nicht weit hinausgehen. Prognosen und ideologische Wunschvorstellungen sind leider keine Fakten.
Ich beobachte nur die laufende Entwicklung dass z.B. immer mehr Länder den Weg für autonome Fahrzeuge öffnen. Auch Projekte wie z.B. Waymo oder von PostAuto in der Schweiz sind sehr interessant

Und komm nicht gleich wieder mit "aber die anderen sind ja davon auch betroffen" (also hätten sie auch ein Mitspracherecht). Betroffen sind oder wären sie aber auch im Falle von Assi-Fehlern. Und der Beweis, dass diese neuen Pflicht-Assistenten tatsächlich in nennenswertem Umfang Unfälle vermeiden können, steht bis auf weiteres ja noch aus.
Wären sie nicht sicher genug, hätten solche Systeme bestimmt nicht weltweit die Zulassung erhalten.

Die Qualität und der tatsächliche Nutzen der Schilderkennung wird (je nach System) zT stark überschätzt, da gibts so viele Fails, dass man da auch nur bedingt darauf gehen kann, und zur tatsächlichen vollautonomen Steuerung sind sie viel zu unzuverlässig.
Die Zukunft der Verkehrszeichenerkennung verlagert sich von rein optischen Kamerasystemen hin zur direkten digitalen Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur (Stichwort V2I, V2X, IVIM, DENM, IM). Intelligente Funkbaken (Beacons), Baustellenwarner und smarte Signaltafeln senden Tempolimits und Gefahrenmeldungen direkt zum Fahrzeug.

Die Schweiz ist besonders streng, was Verkehrsverstösse bzw deren Ahndung angeht, das ist bekannt. Aber die Konzentration auf die Verkehrsumgebung wird dir auch ein Assi nicht völlig abnehmen können. In keinem Land der Welt.
Richtig, aber wenn mich ein Assi nur schon in einem der beiden genannten Bussenfallen erfolgreich gewarnt hätte, wäre ich jetzt noch um CHF 40 oder 120 reicher. Und in immer mehr Regionen dieser Welt kann ich in ein Robotaxi einsteigen und muss mich dann gar nicht mehr um den Verkehr kümmern.
 
@Katzenpersonal Genau so sehe ich das auch! Joggeri hingegen ergeht sich in der trügerischen "Sicherheit" die ihm die Assis bieten. Er versteht einfach nicht, welcher sensorische und rechnerische Aufwand betrieben werden müsste, um autonomes oder auch nur teilautonomes Fahren zu ermöglichen. Mit Ihm darüber zu diskutieren hat absolut keinen Zweck! Er beharrt weiterhin auf seine irrige Meinung!
Für ihn scheint immer die Sonne. Selbst wenn sie hinter dicken Wolken verschwunden ist!
 
es ist nicht intakt, sondern in dieser kaum hinterfragenden Form nahe an fahrlässig bis gemeingefährlich.
Ich befasse mich schon seit Stunde 1 mit Themen wie KI, Assistenzsystemen, Automation uvm. Und ich hinterfrage grundsätzlich intensiv alles und jenes und jeden. Meine Statements hier sind denn auch meine ganz persönlichen, wohlüberlegten Schlüsse, die ich daraus gezogen habe. Wie richtig oder falsch diese sind werde ich zum Teil noch erleben, alles weitere zumindest meine Nachkommen.
 
@Katzenpersonal Genau so sehe ich das auch! Joggeri hingegen ergeht sich in der trügerischen "Sicherheit" die ihm die Assis bieten.
Nein, ich nehme die Assis als das war was sie sind, nämlich kleine Helferlein, die mich in bestimmten Situationen quasi mit einer Zweitmeinung unterstützen, aber durchaus auch mal falsch liegen können.

Er versteht einfach nicht, welcher sensorische und rechnerische Aufwand betrieben werden müsste, um autonomes oder auch nur teilautonomes Fahren zu ermöglichen.
Auf Grund meiner Aus- und Weiterbildung und beruflichen Tätigkeit kann ich das zum Glück sehr wohl sehr gut verstehen.

Bezüglich Rechenleistung solltest du mal die neusten Entwicklungen der Chips für autonome Fahrzeuge studieren wie z.B. jene von BYD (Xuanji A3) oder Nvidia (Drive Thor). Wir sprechen da von bis zu 1.000 TFLOPS (1.000 Billionen Gleitkommaoperationen pro Sekunde). Die nächste Generation die in 1-2 Jahren erwartet wird, soll bereits über 2.0000 TFLOPS bringen, in einem einzelnen Chip wohlverstanden. Verbaut werden z.B. in BYD's God's Eye Project pro Fahrzeug 3 solcher Chips. Mit einer Rechenleistung von 500 TFLOPS ist autonomes Fahren nach Level 4/5 möglich, unterstützt durch ein Operation Center im Hintergrund wie z.B. aktuell bei Waymo oder Baido. Ab rund 2.000 TFLOPS soll autonomes Fahren ohne Control-Center möglich sein.

Als Vergleich: Die Leistung eines heimischen PC liegt bei 0.1 bis 1 TFLOPS. D.h. letztendlich in 2 Jahren die Rechenleistung von bis zu 60.000 heimischen PC in einem Fahrzeug alleine nur für die Assistenten.

In Zukunft werden die heutigen optischen Systeme zudem unterstützt oder sogar teilweise abgelöst durch die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur / Umwelt, Stichwort V2I, V2X, IVIM, DENM, IM. Gut möglich, dass in 10 oder 20 Jahren auch jeder Mensch z.B. mit der Smartwatch einen solchen Sender mit sich herumtragen wird, der mit den Fahrzeugen kommunizieren kann.

Nebst den Automobilherstellern forschen in Deutschland insbesondere Bosch, Continental, Vector, DLR und das BASt an dieser Technologie. Diese Technik wird Zuverlässigkeit und Sicherheit der Assis dann auf einen völlig neuen Level heben.
 
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Nachtrag für alle, welche sich die Zahl von 1.000 TFLOPS nicht vorstellen können:

1.000 TFLOPS = 1 PFLOPS = 1.000.000.000.000.000 Gleitkommarechenoperationen pro Sekunde

Das entspricht übrigens rund 1/800 des Deutschen Supercomputers Jupiter in Jülich, der 4. schnellste Rechner der Welt.
 
Sorry, aber solange wir keine wissenschaftlich belastbaren Fakten dazu haben, sind das allesamt Milchmädchen-Rechnungen. Und die haben wir bisher nicht, nicht mal Untersuchungen (ist alles noch sehr frisch, Pflicht erst seit '24, vorher allgemein nur wenige Assis im Einsatz, die auch noch recht unterschiedlich sind / waren). Was wir haben sind ein paar sehr ... vage und gewagte ... Prognosen, Korrelationen und (auffällig viele) Glaubensbekenntnisse - aber das sind nunmal keine Fakten.
Und vermutlich steht in Unfallberichten und Statistiken dann "technischer Defekt" statt "fehlerhaftes Assistenzsystem".
 
Das nur mal am Rande, was manchen in seinem teilweise falschen China-Bild vielleicht wundern wird.
Es gibt bis jetzt keine Assistenzsysteme Pflicht:
Chinas erste verpflichtende ADAS-Norm betrifft den automatischen Notbremsassistenten (AEB). Für neue leichte Fahrzeuge soll AEB ab 1. Januar 2028 vorgeschrieben sein.

China verbietet inzwischen auch Werbeaussagen wie „autonomes Fahren“ oder „Self-Driving“ für Systeme, die in Wirklichkeit nur Fahrerassistenz sind.

 
Da du hier so vehement wissenschaftlich belegbare Fakten für die Wirksamkeit der Assistenten einforderst, hast du die bestimmt auch für diese Behauptung von dir. ;)
ich sag nur, dass (derzeit noch) keine belastbaren Studien existieren [können], aber viel Hoffnung und Milchmädchen-Prognosen.

Brauchst du tatsächlich einen wissenschaftlichen Nachweis, dass mehr Luxus und Komfort Entspannung fördert, was praktisch immer in stufenweisem Nachlassen von Aufmerksamkeit mündet? Das ist ja einer der Hauptgründe, warum Leute Luxus und Komfort wollen: entspannen und entstressen. Du schreibst es ja selbst.

Ich finde gerade längere Strecken deutlich entspannter mit ACC und Spurführungs-Assi. Die erste längere Strecke damit (500km) war super, nachdem ich die letzten 8 Jahre komplett ohne solche Hilfen unterwegs war.
Und nein, ich hab trotzdem nicht die Hälfte der Strecke Zeitung gelesen oder am Handy rumgespielt. :LOL:

das bedeutet aber noch nicht, dass die Aufmerksamkeit dabei ähnlich hoch war wie ohne. Wenn einige Zeit nichts negatives passiert, gewöhnt man sich sehr schnell daran, dass der Assi dann auch zukünftig jede Verkehrssituation genauso perfekt bewältigt, eine Extrapolation auf Gefühlsebene. Und genau bei dieser geistigen Falle / (angenehmen) Fehlannahme liegt das Problem: irgendwann ist jeder Auto-Assi immer wieder mal überfordert, und Zeitpunkt sowie Situation dafür sind natürlich nicht vorhersagbar. Bestenfalls erkennt er frühzeitig seine Unfähigkeit, eine Situation zu beurteilen, und gibt dem Fahrer audiovisuell rechtzeitig Bescheid, dass dieser jetzt zu übernehmen hat. Im worst case meint er, eine Situation lösen zu können und löst sie auch entsprechend seiner Programmierung, liegt aber falsch. In hektischen Verkehrszonen mit hohem Fahrzeugdurchsatz wird ein Fehlverhalten uU vom Fahrer viel zu spät erkannt, und bis der seine Schrecksekunde überwunden und sich selbst orientiert hat, kann es bereits gewaltig gekracht haben. Es gibt auch sehr unterschiedliche Systeme, qualitativ wie quantitativ, und keinerlei feste Standards für Verhaltensreaktionen, ausser der Vorgabe, dass sie möglichst defensiv ausfallen und notfalls im erzwungenen Stillstand münden sollten, wenn möglich, abseits (möglichst keine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, Vermeidung von Triage-Situationen). Ein kleiner Fiat kann bei Situation x besser reagieren als der 4mal so teure Edelaudi, aber auch umgekehrt bei Situation y. Es ist also nicht wirklich berechenbar.

Es ist schon klar, dass beim Fahren der mentale Fokus nicht immer voll und ganz auf dem Verkehrsgeschehen liegt. Viele Reaktionen und Abläufe funktionieren mit der Zeit teilautomatisch, dh, solange wir (quasi nebenbei) nichts gefährliches oder ungewöhnliches registrieren, kann und wird man sich auf anderes konzentrieren, das ist eine unbewusste Automatik. Es muss nicht unbedingt das Smartphone, Internet, Geplapper mit Beifahrern oder ein Telefonat sein - auch das intensivere Nachdenken über sonstwas ansich kann Ablenkung genug sein. Je stärker man sich hier im Urvertrauen auf ein (gefühltes) Mehr an Sicherheit des Assistenten verlässt (und das geschieht idR automatisch), desto mehr driftet man ab, weil man meint, man könne beruhigt (Gefühl, nicht Ratio) delegieren - nur sind die Dinger schon konzeptionell chronisch unzuverlässig, auch wenn es davon abhängt, welche Strecken und Regionen man idR befährt, zu welchen Zeiten und mit welchen Fahrzeugen.

Das Hirn ist ein Energiesparer. Wenn es energieintensive Prozesse auslagern und die Kapazität für individuell priorisierte (angenehmere) Denkaufgaben verwenden kann (also weniger lästigen Kleinkram), tut es das bei jeder Gelegenheit. Und das ist ein häufig unterschätztes Problem. Gerade das Komfort- und Luxusversprechen ist nicht selten ein sehr entscheidendes Kaufargument, das die "betreutes Fahren"-Periode überhaupt erst möglich macht.

Wenn du Beweise willst, schalte deine (möglichst objektive) Selbstbeobachtung mal einige Zeit ein. Persönlich überzeugendere Belege gibt es nicht, auch wenn die grundsätzlichen mentalen Prozesse beim Selbstfahren in der Psychologie durchaus schon sehr lange als verifiziert und gesichert gelten können. Konkrete, wirklich aussagekräftige Studien, die sich speziell der Fahrerassistenz und deren Folgen widmen, existieren derzeit noch nicht, weil solche Systeme eben erst rel wenige Jahre jung sind und anteilig noch sehr wenige Fahrzeuge damit ausgestattet sind. Aber die Richtung ist klar. In (Schätzung) ungefähr 10-15J werden wir mehr gesicherte Erkenntnisse darüber haben.
 
Wenn einige Zeit nichts negatives passiert, gewöhnt man sich sehr schnell daran, dass der Assi dann auch zukünftig jede Verkehrssituation genauso perfekt bewältigt,
Dein Ansatz ist zumindest für die einfachen Assi Level 1 + 2 (und davon ist hier die Rede) falsch. Der Fahrer und nicht der Assi bewältigt stets die Verkehrssituation, der Assi kann dabei den Fahrer in gewissen Situationen unterstützen, nicht mehr und nicht weniger.

Je stärker man sich hier im Urvertrauen auf ein (gefühltes) Mehr an Sicherheit des Assistenten verlässt (und das geschieht idR automatisch), desto mehr driftet man ab, weil man meint, man könne beruhigt (Gefühl, nicht Ratio) delegieren
Wer sich bei einem Fahrzeug mit Level 1 + 2 auf den Assi verlässt, sollte definitiv kein Auto mit einem solchen Assi fahren. Ein Assi Level 1 + 2 ist ein Tool, das in falschen Händen mehr Schaden als Nutzen anrichten kann, so wie jedes andere Werkzeug auch.
 
@Katzenpersonal
Ich denke, du hast da einen kleinen Denkfehler.
Einerseits behauptest du, dass die ganzen Assi-Systeme "schon konzeptionell chronisch unzuverlässig" sind und in eventuellen Gefahrensituationen vielleicht mal falsch reagieren könnten.
Andererseits gehst du aber anscheinend davon aus, dass ein Mensch in gleicher Situation immer korrekt handelt. Dabei würde ich mal behaupten (ohne jetzt nach Beweisen zu suchen), dass der ganz große Teil der Unfälle oder gefährlichen Situationen auf der Straße durch menschliche Fehler entstehen.
Es ist schon klar, dass beim Fahren der mentale Fokus nicht immer voll und ganz auf dem Verkehrsgeschehen liegt. Viele Reaktionen und Abläufe funktionieren mit der Zeit teilautomatisch, dh, solange wir (quasi nebenbei) nichts gefährliches oder ungewöhnliches registrieren, kann und wird man sich auf anderes konzentrieren, das ist eine unbewusste Automatik.
Korrekt. Das passiert aber sowohl ohne als auch mit Assistenten. Und falls genau dann eine Gefahrensituation kommt, hab ich lieber elektronische Helferlein, die die Situation vielleicht noch retten bzw. mich rechtzeitig warnen.
Gerade letzten Sonntag nachmittags keine 5km von uns entfernt ist ein Autofahrer auf kerzengerader Landstraße (gut ausgebaut, keinerlei Sichtbehinderungen, gutes Wetter) von seiner Spur in den Gegenverkehr geraten. Ergebnis waren 1 Toter und 2 Schwerverletzte.
Vielleicht hätte der Spurhalte-Assi hier helfen können (war ein älteres Auto, also keine Assis).
 
Was soll daran nicht ok sein?
Das Fernziel mit den Vollautonomen ist, dass man die Reisezeit sinnvoll nutzen kann z.B. um geschäftliche Dinge zu erledigen und sich dabei die Reisezeit als Arbeitszeit anrechnen lassen kann. Zumindest in der Schweiz gibt es schon heute einige Firmen, welche z.B. 50% der Pendelzeit als Arbeitszeit anrechnen, wenn man dabei produktiv für die Firma arbeiten kann. Das hat schon einige Arbeitnehmer dazu bewogen, vom Auto auf den öV umzusteigen. Studien aus der Schweiz (u.a. ETHZ) zeigen, dass vollautonome Fahrzeuge zudem grosses Potenzial haben, den öffentlichen Verkehr als Zubringer und On-Demand-Angebot zu ergänzen und teilweise zu individualisieren.
 
Deutschland tickt da vermutlich etwas anders, als der Rest von Europa. In Deutschland ist das heilige Blechle und das herumfahren damit für viele ein geliebtes Hobby. Andernorts ist das Auto und das damit verbundene Reisen eher ein notwendiges Übel, das viel Zeit und Geld vernichtet.
 
Ich fahre gerne Autos,und kann mich mit so einer Meinung nicht anfreunden, Autofahren bedeutet für mich Unabhängigkeit bisschen Freiheit und anderes, wenn du anderer Meinung bist,deine Sache.
Danke, das relativiert die Diskussion. So lange Autos von emotionalen Wesen gesteuert werden, wohnt ihnen auch die zugehörige Gefahr inne. Und das ist jetzt nicht böse gemeint, sondern einfach nur eine Feststellung. Ich kann mich selber davon auch nicht freisprechen, auch ich reagiere beim Autofahren emotional, fahre zu schnell, drängle, vielleicht jetzt im Alter nur noch extrem selten aber zu jungen Jahren so wie jeder andere junge Mensch auch.
 
Hab mich ganz schnell an die Asssistenzsysetme unsere Joggers gewöhnt und empfinde es als positiv, wenn das Auto auf die Fahrbahrbahn reagiert und beispielweise in Kurven mitlenkt oder beim Annähern an den Fahrbahnrand gegenlenkt. Man darf halt nur nicht die Kontrolle aus der Hand geben und darf sich nicht überraschen lassen, wenn die Eingreifen.

Was ich schon häufiger gehört habe, dass Autos Unfälle verursachten, weil die Assistenzsysteme eigriffen, aber da denke ich, die Fahrer waren während der Fahrt nicht bei der Sache waren und von den Eingriffen überrascht wurden ... Denn so weit ich weiß ist es bei jedem Auto, dass der Fahrer zumindest die Lenkeingriffe der Assistenzsysteme durch aktive Lenken übergehen kann.

Meine Frau findet die Reaktionen der Assistenzzsysteme regelrecht gruselig.

Als ich die Systemem mal abgeschalten hatte, fühlte sich das Auto irgendwie tot an :LOL:
 
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